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5.9.2010 : 6:43

Ziel und Konzeption der Arbeed gGmbh

Die Arbeed gGmbH als Qualifizierungsbetrieb ist ein gemeinnütziges Projekt des Diakonischen Werkes der ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Ziel der Arbeed ist deshalb in erster Linie soziale Randgruppen, die extrem von Arbeits- und Wohnungslosigkeit betroffen sind, wieder Gelegenheit zur Arbeit und zum Erwerb ihres Lebensunterhalts zu geben. In den Werkstätten der Arbeed werden daher Menschen qualifiziert, die schon seit langem arbeitslos sind und keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt mehr haben. Sie können hier unter relativ arbeitsmarktnahen Bedingungen Kompetenzen erwerben, die sie befähigen, später wieder in einem regulären Arbeits- und Ausbildungsverhältnis zu bestehen.

Die Ausrichtung der Arbeed ist dementsprechend weiter und vielschichtiger, in arbeitsmarktpolitischer Hinsicht aber auch nachhaltiger als die anderer Unternehmen. Ausgangspunkt der Aktivitäten sind natürlich die individuellen Notwendigkeiten des Lebensunterhalts. Gesellschaftspolitische und gesamtwirtschaftliche Aspekte spielen in der Konzeption der Arbeed aber ebenfalls eine bedeutende Rolle.

Zunächst ist (entlohnte) Arbeit Voraussetzung zur dauerhaften Existenzsicherung jedes einzelnen Erwerbsfähigen. Leistungen aus sozialen Sicherungssystemen können nur eine Übergangslösung bieten, nicht aber eine dauerhafte Lebensgrundlage. Nur in diesem Sinn ist die soziale Sicherung in der Bundesrepublik Deutschland zu verstehen: Als Hilfe zur Selbsthilfe. Reine Transferzahlungen reichen dazu aber in einer wachsenden Zahl von Fällen nicht nur in materieller Hinsicht nicht mehr aus.

Arbeit ist überdies Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, sie geht weit über die materielle Sicherung des Lebensnotwendigen hinaus. Sie hat kommunikative und sozialisierende Bedeutung; Arbeitslosigkeit hingegen stigmatisiert. Arbeit wird damit zunehmend wichtiger für die Selbstachtung und Würde der Menschen. Gleichzeitig werden durch die Globalisierung des Wirtschaftens und den fortschreitenden Rationalisierungsprozess immer mehr Arbeitskräfte in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Vor allem Leistungsschwache und gering Qualifizierte werden ausgesondert. Gerade Langzeitarbeitslosigkeit kann jedoch zum weiteren Verlust von Leistungsfähigkeit und Motivation und letztlich der elementarsten Arbeitstugenden führen. Eine Wiedereingliederung in das Arbeitsleben wird so immer schwieriger. In der Folge sind die Betroffenen oft dazu verurteilt, ein Leben am Rande des physischen und psychischen Existenzminimums zu führen.

Die gesellschaftliche Problematik dieser Entwicklungen zeigt sich einerseits in wachsender Armut und ihren negativen Folgen wie etwa Kriminalität oder politischer Radikalisierung, andererseits steigen die Kosten der sozialen Sicherung für die öffentliche Hand und damit für die noch Arbeitenden. Tatenlos zuzusehen, wie sich diese Diskrepanz vergrößert, kann nicht im Interesse der Allgemeinheit liegen.

Vor diesem Hintergrund sind deshalb von der EU und verschiedenen deutschen Regierungen Programme zur öffentlichen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik aufgelegt worden, mit denen die Qualifizierung und Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in besonderen sozialen Schwierigkeiten erleichtert und gefördert werden soll und an denen auch die Arbeed partizipiert. Eine solche zweigleisige oder kombinierte Finanzierung der Aktivitäten ist schon deshalb notwendig, weil die Eigenmittel der Arbeed-Werkstätten aufgrund des zunächst oft geringen Restarbeitsvermögens der Beschäftigten zur Kostendeckung nicht ausreicht. Darüber hinaus verursacht gerade die sozialpsychologische Betreuung und pädagogische Begleitung der Teilnehmer Aufwendungen, die durch den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen an Förderern allein nicht abgedeckt werden können.

Die Qualifizierungskräfte werden von der Arbeed aktuell in 5 Bereichen ausgebildet bzw. stabilisiert. Im Produktionsbereich des Betriebes befindet sich eine Tischlerei, die sich vor allem auf die Herstellung motorgesteuerter Lattenroste für Klinikbetten spezialisiert hat, eine Kunststoffabteilung, die insbesondere Verpackungen verschiedenster Art fertigt, sowie eine Schlosserei, in der ebenfalls vielfältige Qualifizierungsaufgaben aus dem Metallsektor angenommen werden.

Zu nennen ist auch die bekannte Möbelhalle als Soziales Kaufhaus, die Spenden von Möbeln und anderem Hausrat sammelt und nach Wiederherrichtung weiter vermittelt. Ihre Mitarbeiter werden u.a. qualifiziert in Entrümpelungen und Haushaltsauflösungen und übernehmen in Absprache mit Förderern Transporte und Umzüge. Darüber hinaus findet sich im Betrieb eine Malerabteilung, die vor allem in Renovierungsarbeiten qualifiziert. So unterschiedlich die genannten Qualifizierungsfelder auf den ersten Blick erscheinen mögen, haben sie doch Gemeinsamkeiten, die sich vor allem aus den Handicaps der Beschäftigten ergeben:

Die beschäftigten Maßnahmeteilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen, waren jahrelang arbeitslos, müssen sich erst einarbeiten und an die inzwischen ungewohnte Arbeitssituation gewöhnen.

Der zusätzliche notwendige Qualifikations- und Anpassungsprozess, der zu leisten ist, verlangt viel Einfühlungsvermögen, Geduld, Zeit und nicht zuletzt: Geld.

Alles in allem sind die Bedingungen, unter denen Qualifizierungs- und Arbeitsprojekte wie das der Arbeed umgesetzt werden müssen, nicht eben günstig und sie gestalten sich mit den derzeitigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten und nicht zuletzt aufgrund der Kassenlage der öffentlichen Haushalte zunehmend schwieriger. Schon deshalb ist ein hohes Maß an Engagement erforderlich, das sich täglich neu beweisen und bewähren muss. Eine Erwartungshaltung haben auch die öffentlichen Kosten- und Leistungsträger, die zur Finanzierung beitragen und eine adäquate Umsetzung ihrer Programme und die Erfüllung der darin gesetzten Ziele fordern.

Diesen Anforderungen stellt sich die Arbeed seit 1986 in Hannover. Sie strebt zufriedene Kunden an, indem sie durch Leistung überzeugt.

Dabei stehen die Qualifizierungsteilnehmer der Arbeed, die arbeits- und oft auch wohnungslos geworden sind und sich in sozialen Notlagen befinden, im Vordergrund. Ihnen muss eine Chance gegeben werden, damit sie nicht Zaungäste am Rande einer für sie geschlossenen Arbeitsgesellschaft bleiben.